Das Projekt selbst hat eine Geschichte, die vom Konstanzer Seerhein ins mittelrheinische Koblenz führt. Seinen Anfang nahm es im Rahmen des Konstanzer Exzellenzclusters 'Kulturelle Grundlagen von Integration'. In Koblenz werden zentrale Überlegungen des Konstanzer Projekts fortgeführt, aber auch durch Neues ergänzt. Mit 'Gesellschaft machen' kommt die Pluralisierung synchron koexistierender kommunikativer Sinnhorizonte der hoch- und spätmittelalterlichen Gesellschaften am Bodensee als Phänomen einer zunehmenden gesellschaftlichen Differenzierung in den Blick. Ausbuchstabiert wird dies vor allem am Beispiel von zwei Korporationen, dem Benediktinerkloster Allerheiligen und der Stadt Schaffhausen. Sichtbar wird dabei trotz gegenseitigen exklusiven Herrschaftsbehauptungen die Verschränkung von Interaktionsräumen als soziale Kontingenzeröffnung, die zur Ausbildung sachspezifischer Kommunikation führt. Gezeigt werden kann dies im besonderen Maß an der Einrichtung des sogenannten Fünfergerichts, in dem gegenseitige Ansprüche der Korporationen ausgehandelt wurden. Neben der urkundlichen Überlieferung erfolgt der Zugriff auf die Praxis des Fünfergerichts vor allem mit Hilfe des Protokollbuchs des Gerichts. Mit Abschluss des Projektes wird - und dies ist die Koblenzer Ergänzung - eine digitale Edition des Protokollbuchs geboten, der es nicht nur darum geht, den Text lesbar zur Verfügung zu stellen, um die inhaltliche Analyse der Gerichtsprqaxis nachvollziehbar zu machen. Darüber hinaus öffnet sich das Projekt nun aktuellen Diskursen der digital humanities und leistet einen Beitrag im Bereich des Forschungsdatenmanagements innerhalb der historischen Sozialwissenschaften.
Forschung
Monographisch
Soziale Ausgrenzung im Medium der Predigt. Der franziskanische Antijudaismus im spätmittelalterlichen Italien (Norm und Struktur, 35), Köln-Weimar-Wien 2012.
Herausgeberschaften
(gemeinsam mit Rudolf Schlögl und Isabelle Schürch) Der Mensch in Gesellschaft. Zur Vorgeschichte des modernen Subjekts in der Frühen Neuzeit, Paderborn 2019.
(gemeinsam mit Gabriela Signori) Themenheft ‚Reform als Konflikt’ (Saeculum 66,1/2016).
Themenschwerpunkt ‚Der Mönch im Vergleich‘ (Saeculum 60,2/2010, S. 255- 330).
Aufsätze (ausgewählt)
(gemeinsam mit Gabriela Signori), Einleitung (zum herausgegebenen Themenschwerpunkt ‚Reform als Konflikt’), in: Saeculum 66,1 (2016), S. 3-16.
Als Bürger streiten. Monastischer Reformwiderstand unter städtischem Schutz und Schirm, in: Saeculum 66,1 (2016), S. 129-146.
Die Blomberger Stadtbücher, in: Kümper, Hiram (Hg.), Miscellanea Blombergense. Quellen und Beiträge zur Stadtgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit, Bielefeld 2015, S. 43-54.
Sacra lipsana: The Relics of Catarina da Siena in the Context of Propagation, Piety and Community, in: Hamburger, Jeffrey/Signori, Gabriela (Hgg.), Catharina of Siena: The Making of a Saint, Turnhout 2013, S. 47-68.
“Was im closter mir zugehörig ist”. Gedankliche Begründungen von Eigenbesitz im Kontext der spätmittelalterlichen Klosterreform, in: Heimann, Heinz-Dieter et al. (Hgg.), Gelobte Armut. Armutskonzepte der franziskanischen Ordensfamilie vom Mittelalter bis in die Gegenwart, Paderborn 2012, S. 393-409.
Strenge und Milde. Zur Gesetzesgerechtigkeit in der spätmittelalterlichen Pastoralliteratur, in: Annas, Gabriele/Schulte, Petra/Rothmann, Michael (Hgg.), Gerechtigkeit im gesellschaftlichen Diskurs des späteren Mittelalters (Zeitschrift für historische Forschung, Beiheft 47), Berlin 2012, S. 177-200.
'Clemens princeps': 'Clementia' as a Princely Virtue in Michael of Prague's 'De regimine principum', in: Nederman, Cary J./Bejczy, István P. (Hgg.), Princely Virtues in the Middle Ages, 1200-1500 (Disputatio 9), Turnhout 2007, S. 201-217.
Ein unbekanntes Westfalenlob im Martyrologium der Kölner Kartause Sankt Barbara , in: Signori, Gabriela (Hg.), Heiliges Westfalen. Heilige, Reliquien, Wallfahrt und Wunder im Mittelalter, Bielefeld 2003, p. 163-179.