Rollen und Funktionen von Musik in der digitalen Ära (1) - Blog zur Tagung

Eine Internationale Wissenschaftliche Tagung an der Universität Koblenz in Zusammenarbeit mit der Universität Leipzig und der Gesellschaft für Musikforschung.

Hallo liebe Leser*innen,
wir, das sind Moritz Groth, Chiara Roma und Hagen Weiss aus dem Seminar Musik in der digitalen Ära von Prof. Dr. Corinna Herr wollen uns mit der kommenden Musiktagung in der Uni Koblenz beschäftigen. Ihr könnt uns hierbei begleiten und mit uns in die Welt der Musik in der digitalen Ära eintauchen.

Dies ist der erste unserer Blogs, in denen wir euch unsere Erwartungen und Eindrücke der Tagung schildern wollen. Dieser erste Blog soll dazu dienen einen Einblick in die zentralen Themen der Tagung zu gewinnen und unsere Erwartungen und Fragen offenzulegen. Später wollen wir diesen Blog dann als Referenz benutzen, um zu schauen, ob unsere Erwartungen erfüllt wurden, welche Fragen beantwortet wurden und wie sich unser Blickwinkel auf das Thema Musik in der digitalen Ära vielleicht nach der Tagung geändert hat.

Die nächsten Blogs dienen als direkte Begleiter zur Tagung. Hier werden wir mit euch unsere Eindrücke der drei Tage teilen, wodurch ihr mehr über die einzelnen Thematiken der Panels erfahrt. Des Weiteren wollen wir diesen Blog, wenn möglich, mit Interviews füllen, um euch ein noch tieferes Eintauchen in die Thematik zu ermöglichen und vielleicht auch einen Blick hinter die Kulissen zu erhaschen.

Zuletzt Planen wir ein Resümee, in dem wir auf die Tagung aber insbesondere auch auf unsere vorhergegangenen Blogs zurückblicken. Wir wollen also unsere Einleitung wieder aufgreifen und mit unseren neuen Eindrücken und Perspektiven nach der Tagung vergleichen. Haben sich unser Fragen beantwortet? Was haben wir neu gelernt? Und was nehmen wir für uns mit?

Also begleitet uns.

Worum geht es?

Unser Leben verändert sich stetig mit dem Voranschreiten neuer Technologien. Diese Veränderung findet in allen Aspekten unseres Lebens statt. Der große Sprung der unser Leben im 21. Jahrhundert prägt wie kein anderer, ist die Digitalisierung. Unser Leben kann oder musste wie in den letzten Jahren zu einem Großteil digital stattfinden. Hierbei ist es kein Wunder, dass auch Kunst und Kultur von diesen Veränderungen nicht ausgeschlossen bleiben.

Die Musikwissenschaftler Smudits und Blaukopf benennen diesen Prozess der Veränderung der alle Bereiche der Musik mit einbindet, als digitale Mediamorphose. Ein Begriff zur Veranschaulichung des allumfassenden Wandels der musikalischen Kommunikation im digitalen Zeitalter.

Von diesem Wandel sind viel mehr Bereiche betroffen als man auf den ersten Blick erkennen mag. Die Veränderung im künstlerischen Schaffen ist allein schon an der immensen Bandbreite neuer Musikstile zu erkennen und auch als Rezipient*in hat sich einiges verändert, so ist Musik quasi omnipräsent immer und überall verfügbar, ob digital oder analog. Austausch und Kritik zu neuer Musik ist durch das Internet so schnell wie noch nie. Die Anzahl an Akteur*innen rund um Musiker*innen und Rezipient*innen ist stetig am Wachsen. Hierbei entstehen ganze neue Berufsgruppen, die alle in der musikalischen Kommunikation eine Stellschraube darstellen.

Welche neuen Bereiche hinzukommen oder wie sich bereits bestehende Strukturen anpassen oder gänzlich ausgetauscht werden, hoffen wir im Verlauf der Tagung zu erfahren.

Doch um welche Themen handelt es sich genau.

Hier findet ihr einen Überblick über die zentralen Themen der Tagung, ihr Wandel im Zuge der Digitalisierung und Fragen, auf die wir uns Antworten erhoffen.

Produktion und Technische Aktant*innen

Durch die Digitalisierung ist es jedem*r möglich, Musik zu produzieren. Ein teures Tonstudio zum Abnehmen von Instrumenten und zum Mixing ist nicht mehr notwendig, wenn Musik auch von zu Hause mit einem einfachen Laptop produziert werden kann. Produktionen können stadtfinden, ohne dass ein einziges echtes physisches Instrument gespielt wird.

Diese Möglichkeit der Reduktion steht aber keineswegs für eine Reduktion der Aktant*innen. Insbesondre bei großen Produktionen ist die Anzahl der Aktant*innen so groß wie noch nie. Socialmediamanagment, Vertrieb und Rechtsabteilungen sind alle Teile einer heutigen Musikproduktion. Nach der Theorie des Soziologen Bruno Latour muss eine Akteur*in auch nicht unbedingt menschlich sein, es brauch lediglich ein eine Interaktion mit einer anderen Akteur*in oder Identität. Dies bedeutet, dass auch die Technik selbst und deren Algorithmen, mit denen wir interagieren als Akteure gezählt werden können. Wir interagieren z.B. mit den YouTube Algorithmen, in dem wir durch Verweilen auf bestimmten Videos zeigen, was uns interessiert und bekommen als Antwort neue Vorschläge.

Dies ist auch etwas, dass wir in unserem Umfeld konstant beobachten können. Viele unserer Freund*innen/Bekannte waren oder sind in irgendeiner Form online vertreten. Seien es eigene Covers, Beat Produktionen oder Aufnahmen mit der Schulband. Dies trifft nicht nur auf Personen aus unserem Studiengang zu, sondern auch auf Menschen; die sonst nicht sonderlich musikalisch sind. Die einfache Gestaltung und Bandbreite an Programmen zur Musikproduktion ist so groß, dass jede*r etwas für sich finden kann.

Märkte/Vermarktung

Die Produktion von Musik ist heutzutage auch immer von Erfolg beeinflusst. Die Kommerzialisierung von Musik bedeute, dass Promotion und Vermarkten immer an sie und die Künstler*in gebunden sind. Die Künstler*in wird immer wichtiger als eigene Marke um auch andere Dinge wie Merchandise zu verkaufen. Der Fokus rutscht hierbei auf den digitalen Markt, da hier Musik viel besser als Massenprodukt angeboten werden kann. Aber auch Dinge wie die Songlänge oder die Größe von Alben werden beeinflusst, um einen größeren kommerziellen Erfolg zu erreichen. Zählen Streamingplattformen einen Stream erst nach 30 Sekunden, ist es nicht verwunderlich, dass auch zu diesem Zeitpunkt der Refrain des Liedes einsetzt.

Für uns fühlt es sich an, als ob durch die stärkere Vermarktung über alle Plattformen meist nur ein einziger Song genutzt wird. Dieser ist dann in Werbung, als Filmmusik oder als viraler Sound auf Social Media Plattformen zu finden. Dies führt dazu, dass ganze Alben viel weniger gehört oder auch vermarktet werden als einzelne Songs.

Kommunikationswege

Künstler*innen scheinen so anfassbar wie nie zu vor. Durch Livestreams im Internet, Teilnahme an Unterhaltungen in den Kommentarbereichen unter Videos oder Forenbeiträgen ist die Interaktion so hautnah wie noch nie. Feedback zu neuen Alben und Songs ist unmittelbar zu sehen und zu lesen. Auch Fankultur und Austausch kann digital in Form von Foren und Hashtags ausgetragen werden.

Intermedialität

Zum Zwecke der Vermarktung von Künstler*innen ist ein Auftreten in verschiedenen sozialen Medien ein Muss. Instagram, YouTube oder TikTok dienen alle als Werbeplattform für den Künstler. Die Musiker*innen nehmen also Rollen als Influencer oder aber auch zum Beispiel als Schauspieler*innen ein. Alles zum Zwecke der Vermarktung der eigenen Person als Marke. Hierbei rückt oft auch die Musik in den Hintergrund.

Aufführungspraxen

Digitalisierung ermöglicht völlig neu Formen der Aufführung, die speziell für ein digitales Publikum geschaffen werde. Zum Beispiel durch die Verwendung von 360°-Kameras lassen sich Videos erstellen, die so nur digital erlebt werden können. Ein weiteres Beispiel ist die Erschaffung digitaler Bands wie den Gorillaz oder digitale Auftritte in Videospielen.

Lebenspraxen

Durch das stetige Vorhandensein und die Abrufbarkeit ist Musik immer präsent in unserem Alltag. Hierbei entstehen eigene mit Musik verbundene neue Lebenspraxen.

Zum Beispiel zeigen die gewaltigen Streamingzahlen von Musikplaylisten und Livestreams für Musik als Hintergrundgeräusche zum Entspannen und Lernen, wie sehr Musik in unserem Alltag vorhanden und Teil unserer Lebenspraxen geworden ist.

Wenn euch dieser kleine Einblick jetzt Lust auf mehr gemacht hat, dann begleitet uns, um mehr über die Rolle von Musik in der digitalen Ära zu erfahren. Schaut auch wieder nach der Tagung vorbei, wenn der zweite Blog online geht.